„Lob des kleinen Bioladens“

Bereits im Dezember schrieb ich auf facebook über Equitoxin in Zuchtfischen. Greenpeace hatte diesen Stoff, der konventionellem Fischfutter als Antioxidationsmittel zugesetzt wird, in konventionellem Fisch aus Aquakultur in gesundheitlich bedenklichen Mengen gefunden.

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Aquakultur. Quelle: www.my-fish.info

Mittlerweile liegen Reaktionen der Inverkehrbringer (also der Supermärkte) vor. Tenor: man würde es begrüßen, wenn die Politik Höchstwerte vorgeben würde – bis dahin rührt sich aber keiner.

Mit anderen Worten: der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel kümmert sich nicht um das Wohlergehen seiner Kunden, solange es nicht gesetzlich vorgeschrieben wird. Denn wer als Erster in equitoxinfreies Futtermittel investiert (das verlangt kürzere Transportwege für das Futter, das weit entfernt aber viel billiger ist), muß seinen Fisch teurer anbieten. Und der Preis ist nun mal im konventionellen Handel das wichtigste Argument. Böse Zungen behaupten sogar: das Einzige.

Leider bekriegen sich (und uns) auch die Bio-Supermärkte mithilfe günstiger Angebote. Über immer mehr Mengen soll die Produktion verbilligt werden, sodaß „Bio für Alle“ erschwinglich wird. Leider sind landwirtschaftliche Betriebe keine Fabrikhallen, und Artenvielfalt, Lebensqualität und faire Bedingungen für Alle haben wenig mit Fließbandarbeit gemein. Daher empfiehlt Nico Paech, Postwachstumsökonom an der Universität Oldenburg, in einem Interview der BioWelt:

„“Wir müssen dem Einzelhandel wieder jene Kompetenz zuschreiben, die der gerade auf den Kunden abschiebt. Der Einzelhändler muß wieder als Kompetenzträger wahrgenommen werden.“ Dies setzt allerdings Vertrauen voraus: „Nur unmittelbarer Kontakt kann die Produktqualität sichern, anders geht es nicht. Sonst entsteht nämlich Entmoralisierung durch Distanz: wenn ich einem Kunden nicht in die Augen sehen muß, sinken die Hemmschwellen. Und die Anonymität des Marktes führt genau dazu.“ Unter der Überschrift: siehe oben.

Den ganzen Artikel in der BioWelt finden Sie hier: Paech_Biowelt

Über die Grundzüge der Postwachstumsökonomie: http://www.postwachstumsoekonomie.de/material/grundzuege/

und ein lesenswerter Blog: http://www.postwachstum.de/

 

 

 

Schnee in Apulien!

Bei uns ja eher mild, in Süditalien: Ausnahmezustand! 70 cm Schnee, anhaltender Frost – damit kennt man sich in Apulien, Kampanien, Sizilien überhaupt nicht aus. Das gab’s dort seit 50 Jahren nicht mehr!
Die Folgen: Gemüse wie Fenchel, Mangold, Blumenkohl können nicht geerntet werden und verderben auf den Feldern; Gewächshäuser brechen unter der Schneelast zusammen, ebenso Weinstöcke. Die Wasserleitungen des „Apulischen Aquädukts“, Europas grösstem Wasserversorgungsnetz, frieren ein, teilweise platzen sie; um die Versorgung der Haushalte zu gewährleisten, musste der Leitungsdruck gesenkt werden.
Und wenn dann die Schneeschmelze eintritt, werden voraussichtlich viele Deiche nicht standhalten…
Als wir vor drei Jahren im Sommer dort waren, gab es einen Tag mit viel Regen; danach waren Straßen unterspült, Felder überschwemmt, und die am Vortag völlig ausgetrockneten Bäche rissen alles mit, was ihnen im Weg lag – bei einem Wasserstand von 1,50 Metern!

Für uns als Laden und euch als Kunden bedeutet die Situation erstmal: alles wird teurer! Fenchel, Zucchini und Mangold gibt es (noch), Blumenkohl ist unerschwinglich, bei Tomaten, Wirsing und Zitrusfrüchten treten die Auswirkungen noch nicht gleich auf.
Natürlich wird jetzt vermehrt spanische und griechische Ware angeboten werden, aber die Nachfrage dürfte nicht befriedigt werden, und wie war das nochmal mit Angebot, Nachfrage und Preis? Genau!
Für alle, die es sich leisten können: nicht kaufen ist keine Lösung!
Die süditalienischen Landwirte brauchen jetzt unsere Unterstützung, und meine Meinung ist: wenn wir mehr für ihre Produkte zu zahlen bereit sind, zeigt es unsere Wertschätzung für ihre Arbeit, und das ist viel mehr als jede Spende leisten kann!

 

kritischer Agrarbericht

Pünktlich mit Eis und Schnee haben wir heute auch den „kritischen Agrarbericht 2017“ bekommen. Er wird jährlich vom ABL-Verlag herausgegeben und beleuchtet die Weltlandwirtschaft, wie der Name sagt: kritisch. Eine stets hochinteressant Veröffentlichung, weshalb ich auch ein Exemplar in der Bioinsel ausliegen habe. Kommt also gerne vorbei und lest bei Kaffee oder Tee immer mal einen der spannenden Essays, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt „Wasser“! Die Ausgaben der vergangenen Jahre (da sich in der Agrarpolitik ja kaum etwas tut, immer noch hochaktuell!) können hier heruntergeladen werden:
http://www.kritischer-agrarbericht.de/2017.368.0.html

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